In einer Gesellschaft, die von Ihrem Selbstzweifel profitiert, ist es eine rebellische Handlung, sich selbst zu mögen.

Wir alleine bestimmen was mit unseren Körpern passieren soll und was nicht, auch wenn viele uns von was anderem überzeugen wollen.

Und doch ist es immer so ein Ding mit der Selbstliebe. Man kann es noch so nach außen propagieren und doch innerlich mit sich kämpfen. Auch ich bin seit mittlerweile vielen, vielen Jahren getrieben von Unsicherheiten.

Bevor ich überhaupt die innerliche Stärke aufbringen konnte meine Zweifel zu hinterfragen, war ich bereits getrieben von den Gedanken noch weniger liebenswert zu sein als vorher eh schon.

Und diese Art der Abwertung, der wir uns selbst stetig aussetzen, passiert natürlich nicht nur auf den Körper bezogen. Oft können wir uns selbst nichts recht machen und denken dabei noch, wir machen es für die Akzeptanz und Liebe anderer.

Selbstzweifel verbreiteten sich wie ein Hurricane in mir – erst langsam, dann mit aller Kraft. Und auch wenn es sich manchmal so anfühlt: damit bin ich hundertprozentig nicht alleine!

Einen sicherlich großen Teil zu meiner, beziehungsweise unser aller Unsicherheit tragen jene Instagramschönheiten bei, egal welchen Geschlechts, die scheinbar nie mit derartigen Probleme zu kämpfen haben. – Immer perfekt gestylt, immer selbstsicher in die Kamera blickend. Eine Momentaufnahme wird exemplarisch für ein Wunschleben genommen.

Manchmal wird die Realität halt erträglicher, wenn man sich in ein anderes Leben träumt. Nur wird solch eine Realitätsflucht oft auch der Auslöser für Unzufriedenheit mit dem, was man hat. Man verliert nur allzu schnell die Wertschätzung für die kleinen Dinge.

Aber auch fernab von Instagram sind wir durch allumfassende Medien stetig Vergleichsmöglichkeiten und dem damit verbundenen sozialen Druck einem Ideal zu entsprechen ausgesetzt.

Uns wird von einer enormen Schönheitsindustrie vermittelt: Immer gibt es da andere, die noch besser, noch schöner, noch klüger und noch erfolgreicher sind als wir selbst. Man ist nie am Ende dieser Reise angelangt, denn ein Ende ist natürlich nicht eingeplant. Gerade im Alter steckt schließlich ein Markt voller Cremes, Masken und Behandlungen.

So scheint es wenig verwunderlich, dass Selbstliebe in unserer Gesellschaft mittlerweile als verpönt gilt, da sie häufig mit Egoismus, Eitelkeit oder gar Narzissmus verwechselt wird. Dabei bedeutet es in erster Linie, sich selbst so viel Wertschätzung entgegen zu bringen wie einem sehr engen Freund.

Man kann es nicht anders sagen: Die Werbung aka der Kapitalismus spielt leichtfertig mit unserem Selbstwert und damit auch mit unserer Zufriedenheit. Wir hingegen müssen viel investieren, um dagegen zu halten und mit uns ins Reine zu kommen.

Allzu oft scheitern Menschen daran und das hat Auswirkungen auf allerlei Bereiche. So kann man sich schwer jemandem öffnen, wenn man sich selbst nicht liebt. An einem Mangel an Selbstwert kann Eifersucht entstehen oder andere zwischenmenschliche Probleme und eine neue oder auch langjährige Beziehung scheitert plötzlich tragisch. Man kann also sagen: Selbstliebe ist DIE Voraussetzung für gelingende Liebesbeziehungen. Selbst Freundschaften können unter aufkeimender Eifersucht leiden.

Achtsamkeit ist gefragt und Selbstfürsorge und natürlich gütlich mit sich zu sein. Es gibt sowas wie Perfektion nicht, höchstens eine maximale Anpassung an aktuelle Trends. Und wozu? Um auszusehen wie alle, schön mit Nikes, IPhone und Levis-Shirt und immer weiter und weiter nach Akzeptanz streben, statt in der Zeit sein wahres – Ich – zu entdecken und entspannt schöne Dinge zu erleben.

Nun scheinen immer mehr Menschen im Netz ehrlicher mit sich und anderen zu werden. Aber auch wenn es ein Trend ist im Moment seine “Flaws” offen zu zeigen, heißt es nicht zwingend, dass es diese Menschen nicht auch Mut und Kraft kostet dazu zu stehen. Und doch wirkt es oft so dermaßen selbstbewusst und man fragt sich wie sie das machen.

Ich denke ja, selbst wenn man sich komplett akzeptiert, sich so liebt, wie man ist, wird man sehr wahrscheinlich immer mal wieder stolpern. Wir alle stolpern über Situationen, über ein unbedachtes Wort, über ein paar Kilo mehr auf der Waage, eine Bluse die nicht mehr zu geht, über die Neue der Ex oder des Ex.

Ich bin der Meinung wir brauchen nicht nur eine Akzeptanz aller Formen, Farben und Stile von Menschen, wir brauchen dringend auch mehr Nachsicht mit uns.

Es ist ein langer Prozess, bis man an den Punkt kommt, an dem man sich annehmen kann. Na und, dann haben wir halt mal einen unsicheren Tag! Auch das ist normal. Ich möchte nicht immer nach außen so wirken (müssen), als wäre alles ok. Alle Facetten, Stärken, Schwächen und auch die unschöne Vergangenheit gehört zu mir und Deine ganz eigene zu Dir. Diese Dinge machen uns einzigartig.

Unser ganz eigener Charakter, unsere Geschichte, aktuelle Umstände führen dazu, dass wir manchmal traurig sind, manchmal enttäuscht, manchmal eben auch unsicher. Solange wir niemandem schaden mit unserem Verhalten sollten wir auch mal einen schlechten Tag haben dürfen.

Versteht mich nicht falsch, Masken haben auch ihren Sinn. Wir wollen ja auch nicht jedem unsere Gefühle, unser Privatestes offenlegen. Schlussendlich kennen wir es aber auch alle, wenn wir um nicht anzuecken eine Maske aufsetzen, die dann Zuhause oder bei Überforderung plötzlich von uns abfällt.

Dass Menschen nun immer noch verstohlen wegblicken, wenn Jemand in der Öffentlichkeit weint statt Hilfe anzubieten und wir uns immer noch schämen für unsere Körper, für unsere Gefühle der Unsicherheit oder welche auch immer, muss sich ändern! Ja auch ich bin verdammt oft unsicher und arbeite hart an meiner Selbstsicherheit und das ist auch ok so. Alles zu seiner Zeit. Und ich kann euch zum Glück mitteilen, es wird mit dem Alter immer besser! Und das sage ich euch auch auf die Gefahr hin dass es abgedroschen klingt.

Ich habe das Gefühl immer mehr bei mir selbst zu sein und dass es Freunden und Bekannten in meinem Alter auch so geht. Auch wenn man selbstredend immer noch stolpert und immer mal fallen wird, man kommt bei sich an und lernt sich zu akzeptieren.

Manchen fällt sowas ganz natürlich zu, andere müssen halt mehr dazu tun.

Du fragst Dich, wie ich daran gearbeitet habe und aktuell an mir arbeite?

Zunächst einmal versuche ich mich nicht zu vergleichen mit anderen. Ich will keine Kopie von jemand anderem sein, wozu überhaupt vergleichen? Also probiere ich eine bessere Version von mir selbst zu werden, nicht die eines anderen. Gewiss bedeutet das nicht, dass man Anderen nicht auf sozialen Medien folgen kann, die einem ein gutes Gefühl geben, die man gerne betrachtet. Alles was glücklich macht!

Aber gibt Dir Jemand ein schlechtes Gefühl in irgendeiner Weise, dann höre darauf, denn Dein Bauch wird recht haben. Manche Menschen setzen sich ganz subtil unentwegt über andere, betonen permanent nur wie großartig, hübsch, unfehlbar sie selbst sind und betreiben am besten noch den oberflächlichsten Pop-Feminismus á la „GIRL-GANG“-Shirts, ohne viel Substanz dahinter. (Feminismus ist so viel mehr als “Anti-Girlhate” und Bodypositivity!!!)

Manchmal bemerkt man diese Dinge erst nach einer intensiveren Betrachtung oder nachdem etwas Zeit vergangen ist. Auch ich habe mich von einigen oberflächlichen, falschen Menschen im echten Leben und auch auf Instagram distanziert und es hat mir so gutgetan. Es ist und bleibt eine Gefühlsentscheidung.

Daneben trage ich seit einiger Zeit sorge dafür nicht nur mental, sondern auch physisch gut zu mir selbst zu sein. Ich versorge meinen Körper mal mehr mal weniger verantwortungsbewusst mit allem, was er benötigt: gesundes Essen, also viel Obst und Gemüse, viel Flüssigkeit, ausreichend Schlaf, aber auch mit: Kuchen, Kuchen und Kuchen für die Seele.

Lern auch Du, lieber hier gerade lesender Mensch am besten darauf zu achten, was Dir guttut, nehme Dir Zeit. Ein gesunder Körper und Geist braucht diesen Egoismus, da mag dieses Wort noch so negativ belastet sein.

Eine weitere Lektion, die ich verinnerlicht habe in den letzten Jahren : Ich nehme aufmerksamer wahr, was in meinem Körper vor sich geht.

Fehlt mir etwas? Brauche ich eine Auszeit oder gerade Action? Habe ich zu viel Stress oder versacke zu viel momentan? Bin ich ständig verspannt, muss halt was nicht im Lot sein. Klingt einfach und doch fällt es so oft hinten über. Es ist also neben dem Loslösen von Meinungen und Idealen anderer vor allem ein intensives sich selbst Kennenlernen.

Schlussendlich bin ich jetzt also geduldiger und nachsichtiger mit mir selbst. Wenn es mir ein Tag mal nicht so gut geht, dann fahre ich runter. Durchatmen. In mich hören.

Sagt mein Bauch oder das Seelchen ich brauche Süßes, dann ist es so. Scheiß auf diesen ganzen Magertrend, Bodyshaming und sich schlecht fühlen sollen für bestimmte Nahrungsmittel! Scheiß da drauf! Ja verdammt, ich esse die ganze scheiß Pizza!

Und bei dem ganzen Gefluche sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass jede Manipulation der Ernährung schnell in einer Essstörung münden kann.

Fakt ist auch: Manchmal braucht man einfach Belohnungen.So konzentriere ich mich lieber auf ein Wohlfühlgewicht statt auf vorgegebene Ideale. Lasst uns doch die Vielfalt von natürlichen Größen- und Gewichtsunterschieden würdigen!

Alles in allem sollten wir alle mal ein wenig chillen! Niemand wacht eines morgens auf und ist frei von Selbstzweifeln. Kein Leben läuft immer glatt und mit Sicherheit auch keine Beziehung. Ja, viele Profile im Internet wirken so, aber das ist ein klassischer Trugschluss. Hört auf Euch gegenseitig zu bewerten! Auch wenn wir eine Weile brauchen sollten uns ehrlich zu lieben, lasst uns versuchen mehr Mut zu haben wir selbst zu sein.

Wir schämen uns eh schon für viel zu viele Sachen. Also ich für meinen Teil habe gerade in diesem Moment meine Regel und mein Bauch fühlt sich an als würde der Bürgerkrieg in ihm wüten. So, nimm dies Internetwelt!

Menstruieren ist normal und daher auch nichts Ekliges dabei!

Es gibt keine hässlichen Brüste, Vagina, Penisse – KÖRPER!!!

Das Leben ist zu kurz um den Bauch einzuziehen!

#mybodymychoice
#mylifemychoice

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